Freitag, 22. Oktober 2010

Argentinien – Bariloche (10.10.10 – 13.10.10)

Bariloche stand ursprünglich eigentlich gar nicht auf unseren Reiseplänen. Wir hatten uns jedoch dazu entschlossen mit den Iren weiterzureisen und uns die Seengegend in Argentinien anzuschauen und Siobhans Kumpel, dem Iren Ed einen Besuch in seinem Restaurant “Butterfly” abzustatten. Wir hatten über Hostelworld eine Unterkunft vorgebucht aber als wir dort ankamen war nichts frei. Man hatte aber ein Partnerhostel direkt in der Stadt und somit wurden wir dorthin umgebucht. Wir bekamen das Taxi bezahlt und ein Premiumzimmer und das zu dem Preis, für den wir reserviert hatten, also wesentlich weniger. Das Zimmer war toll, ein Wahnsinns Ausblick und sogar ein Fön im Badezimmer. Das beste Zimmer der gesamten Reise bisher. Sollten wir also doch wieder ein klein wenig Glück haben? Stefan hatte es mittlerweile auch wieder geschafft, den Laptop mit viel Arbeit zum Laufen zu bringen. Bariloche und Umgebung waren wunderschön. Es sah hier aus wie in der Schweiz. Eine Wahnsinnslandschaft. Schneebedeckte Berge, kristallblaue Seen, alles so ruhig, entspannt und zivilisiert.
IMG_0508 Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus aus der Stadt heraus und gingen in einem Nationalpark spazieren. Leider hatten wir nicht genügend Kleingeld für den Bus zurück und so mussten wir (da wiedermal alle Siesta machten) ein gutes Stück der Straße entlang laufen bis wir endlich jemanden fanden, der uns wechseln konnte. Der nächste Busfahrer nahm uns daraufhin auch mit zurück. Gegen 19 Uhr hatten wir im Hostel das Jacuzzi reserviert, das natürlich (da wir ja im Premiumzimmer logierten) für uns kostenlos war. So genossen wir also eine entspannte Stunde im Whirlpool mit Blick auf Berge und Seen bevor wir uns für unser Abendprogramm richteten. Siobhan und Dara holten uns mit Eds Auto ab und es ging ins “Butterfly”. Wahnsinn. Sterneküche in einem kleinen 6 Tisch Restaurant direkt am See. Wir aßen ein 7 Gängemenü und ließen uns dazu von Sommelier Sebastian mit Wein verkosten. Alles unbeschreiblich gut. Witzigerweise ist Sebastian aus Deutschland und in Stuttgart geboren. Ed und er kennen sich aus St. Moritz wo sie eine Weile zusammen gearbeitet hatten bevor sie auf Reisen gingen und dann hier in Bariloche ihr eigenes Restaurant aufmachten. Wir genossen jede Minute im “Butterfly” und als das Essen zu Ende war und alle anderen Gäste gegangen waren setzten sich Ed, Sebastian und ihre Frauen noch zu uns an den Tisch und wir erzählen bis in die frühen Morgenstunden.
Die nächsten zwei Tage machten wir nicht viel, bummelten nur ein wenig durch die Stadt und genossen das schöne Leben hier. Wir starteten abermals einen Versuch MP3 Player zu kaufen und scheiterten erneut, dafür kauften wir eine externe Festplatte und sicherten unsere Bilder darauf. Abends um 18 Uhr nahmen wir den Bus weiter Richtung Süden.
Bariloche war der erste Ort auf unserer Reise, wo man sich wirklich vorstellen könnte zu wohnen. Es ist wunderschön und man hat auch die Infrastruktur die man braucht. Ed und Sebastian haben sich wirklich einen schönen Platz ausgesucht. Vielleicht kennt ja jemand das Buch “Abgefahren”. Es handelt von zwei Deutschen, die mit dem Motorrad 16 Jahre, um die Welt gefahren sind. Sebastian kennt sie. Sie wohnen heute auch in der Nähe von Bariloche.
Aber keine Angst, wir sind schon weitergezogen und wir werden auch wieder nach Hause kommen.

Argentinien – Salta und Mendoza (04.10.10 – 09.10.10)

Die Busfahrt nach Salta war unspektakulär und lang. Als wir abends dort ankamen waren viele Menschen auf dem Bussteig, die für ihre Hostels Werbung machten. Da es bequemer war und wir somit auch das Taxi bezahlt bekamen, ließen wir uns von solch einer Schlepperin bequatschen. Das Hostel war dann auch wirklich schön. Und da wir jetzt endlich in Argentinien waren gingen wir abends auf der Stelle Steak essen!!! Salta war modern, hatte viele Einkaufsmöglichkeiten und einen großen Platz mit Sitzmöglichkeiten und Grünfläche. Wir kamen uns wieder vor, wie in Europa. Da wir seitdem unserem Handys gestohlen wurden keine MP3 Player mehr hatten, wollten wir versuchen in Salta entweder einen MP3 Player oder ein Handy zu kaufen. Fehlanzeige. Den ganzen Tag rannten wir durch die Stadt aber fanden nichts brauchbares. Entweder die Sachen waren viel zu teuer oder einfach nur Schrott. An diesem Tag machten wir auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Argentinischen Siesta. Die Arbeitszeiten hier hätten wir mal gerne. Man kommt so zwischen 9 und halb 10 und öffnet seinen Laden. Wenn man dann was anderes zu tun hat schließt man halt einfach wieder für ne Stunde oder zwei. Öffnungszeiten stehen eh nicht an den Türen. Gegen 13 Uhr ist dann Siesta angesagt, das heißt es wird geschlossen bis ungefähr 17 Uhr, eher später. Und wenn man dann Lust hat dann arbeitet man halt nochmal bis um 20 Uhr. Ahhhhh, wenn man was erledigen möchte keine Chance. Mittags sind die Straßen wie leergefegt. Womit wir gleich zur nächsten Kuriosität kommen: Nachdem wir die MP3 Player Suche aufgegeben hatten gingen wir gegen 18:45 Uhr auf Restaurantsuche. Als wir eines gefunden hatten, das tatsächlich geöffnet war, bekamen wir die Kaffeekarte vorgelegt. Nach kurzem Nachfragen bot man uns das Mittagsmenü an. ;-) Vom Abendessen waren wir um diese Uhrzeit nämlich noch weit entfernt. Das beginnt üblicherweise so um 23 Uhr und kann bis weit nach Mitternacht gehen. Naja, wir hatten auch mit Mittagessen kein Problem, solange wir überhaupt was zu Essen bekamen, denn um 21 Uhr fuhr bereits unser Bus nach Mendoza.
Im Bus gab es ein großes Hallo, denn wir trafen wieder auf Dara und Siobhan, die beiden Iren. Gemeinsam nahmen wir uns am nächsten Abend nach der Ankunft ein Hostel und dann gingen Stefan und ich ins LAN-Office, da wir unseren Flug von Quito nach Santiago stornieren wollten, bzw. wenn möglich umbuchen auf einen Flug von Punta Arenas nach Santiago. Die Mitarbeiter von LAN waren zwar sehr freundlich, konnten jedoch nicht umbuchen, da angeblich nur American Airlines dazu in der Lage war. In Mendoza gab es sogar ein ein winziges AA Büro mit 2 Mitarbeitern, das allerdings nicht einfach zu finden war. Die Damen konnten nur Spanisch, bestätigten mir aber nach langem hin und her, dass sie den Flug umgebucht hätten und wir nur noch am nächsten Tag am Telefon bezahlen müssten, da in Buenos Aires das Büro bereits um 18 Uhr geschlossen hätte. (Man bedenke, im Rest von Argentinien hat alles bis 17:30 Uhr geschlossen und in Buenos Aires ab 18 Uhr. Wie um Gottes Willen arbeiten die miteinander?)
Am nächsten Tag fuhren wir mit den Iren gemeinsam nach Maipu (ca. 45 min von Mendoza) und wollten dort die berühmte Fahrrad und Wein Tour machen. Wir mieteten uns Fahrräder und bekamen dazu einen Plan mit etlichen Weingütern in der Umgebung. IMG_1218 Und los ging’s. Als erstes besuchten wir das Weinmuseum und bekamen dort eine Führung, als nächstes ging’s zu einer Schokoladen und Likörfabrik, wo wir allerhand leckere Sachen probieren konnten: Öle, Essig, Oliven, leckere Pasten, Dulce de Leche, Liköre und Schokolade. Mittag aßen wir in einem wunderschönen Familienweingut, das total im Kontrast zu dem modernen Weingutkomplex stand, den wir danach besuchten. Der Tag verging so schnell und wir hatten richtig Spaß mit unseren Fahrrädern und Dara und Siobhan auf den Weingütern. Den Abschluss bildete ein schnuckeliger Biergarten mit alten Couchen. Leider war am Ende des Tages unsere zweite kleine Kamera weg. Ob wir sie verloren haben oder ob sie geklaut wurde bleibt unklar, wobei wir eher zu letzterem tendieren, da sie ziemlich gut verstaut war und mitsamt Tasche verschwunden ist. Der Ärger war natürlich groß. Jetzt hatten wir so einen Akt veranstaltet, um die Kamera wiederzubekommen und jetzt ist sie schon wieder weg!!! :-(
Und die Stimmung wurde nicht besser. Am nächsten Morgen checkten wir aus, doch da verlängertes WE in Argentinien war, gab es keinen Platz im Bus nach Bariloche mehr und wir müssen wieder einchecken. Den Iren ging es genauso und so nahmen wir halt das einzig freie 4er Zimmer. Als wir unser umgebuchtes Flugticket am Telefon bezahlen wollten sank die Stimmung gänzlich auf den Nullpunkt. Stefan hing 3 Stunden am Telefon in der Warteschleife und dann erklärte man ihm, dass wir das Ticket weder umbuchen könnten für Geld noch kostenlos stornieren. Die einzige Möglichkeit wäre ein Storno für 250 $!!!!! Bitte was? Wir hatten das Ticket nie gebraucht aber im Reisebüro bei der Buchung hatte man uns empfohlen für alle Fälle doch mal ein Ticket zu buchen, man wüsste ja nie, ob man es doch noch brauchen könnten und stornieren sei ja kostenlos. Also liefen wir wieder zum American Airlines Büro und die Damen bekundeten uns ihre Nichtwissenheit und dass sie aber auch nichts machen könnten. Wir hätten einen Boxring brauchen können, so sauer waren wir. In weniger als einem Tag hatten wir durch Kamera und Flugtickets ein kleines Vermögen verloren. Einfach so. Und es kam noch besser, denn der Laptop hatte auch schon seit 2 Tagen zum spinnen begonnen und jetzt fiel er uns ganz aus. Die Sorge war natürlich groß, dass auch alle Daten darauf (sprich Bilder etc.) verloren sind. Er lies sich einfach nicht mehr hochfahren. In deutlich getrübter Stimmung machten wir abends mit Dara und Siobhan Pizza im Hostel.
Da der Bus erst am nächsten Abend fuhr mussten wir nun noch einmal einen Tag in Mendoza irgendwie totschlagen. Ich mochte die Stadt nicht sonderlich, sie war mir zu groß, und mittags konnte man eh nichts tun, weil alles geschlossen hatte. Also versuchte Stefan den Laptop zu reparieren und ich informierte mich über unsere weitere Reiseroute. Abends um 9 setzten wir uns mißmutig in den nächsten 20 Stunden Bus.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Chile – San Pedro de Atacama (01.10.10 – 03.10.10)

Die Grenze zwischen Bolivien und Chile war wirklich amüsant. Da waren wir 3 Tage lang durch Salzseen und Wüsten gefahren und kamen dann mitten im Nichts an einem kleinen Häuschen mit Schlagbaum heraus. Unseren Ausreisestempel hatten wir ja schon vor drei Tagen bekommen. Unser Abholservice aus Chile war sehr fröhlich und freundlich und schien sogar zu wissen, was das Wort Organisation bedeutet. Direkt 2m hinter dem Schlagbaum verwandelte sich die Sandpiste in eine asphaltierte Straße und wir brausten munter ins nächste Abenteuer, Chile. Beim Zoll wurden wir durchsucht und mussten unsere Rucksäcke auspacken. Ansonsten verlief alles problemlos. San Pedro ist sehr klein und so konnten wir uns ganz einfach zu Fuß mehrere Unterkünfte anschauen und entschieden uns dann gemeinsam mit Birgit und Jonas für ein nettes Hostel mit Innenhof und Hängematten. Diese Entscheidung bereuten wir auch nicht, denn die darauffolgenden Tage in San Pedro waren einfach nur toll und entspannend. Wie schon erwähnt, ist der Ort ein kleines Nest in dem fast nur Touristen sind und es ist in Chile natürlich auch noch super teuer im Vergleich zu Bolivien aber San Pedro ist einfach so unglaublich gemütlich und liebenswürdig, dass man sich hier länger aufhalten möchte als der Zeitplan eigentlich her gibt. P1060851 Es gab viele schnuckelige Restaurants und wenn sie auch nicht billig waren, so boten sie doch was fürs Geld. Gleich nachdem wir in die Zimmer eingecheckt hatten gingen wir in solch ein Restaurant und wurden echt nicht enttäuscht. So lecker hatten wir schon lange nicht mehr gegessen und dann auch noch drei Gänge und ein Pisco Sour zur Mittagszeit. Es war warm und so konnten wir beim Essen im T-Shirt draußen sitzen und die Sonne genießen, was auch mal wieder schön war. Von den Restaurant Stühlen parkten wir gleich um in die Hängematten im Hostel und abends kochten wir gemeinsam mit Birgit und Jonas Spaghetti Bolognese und tranken Wein.
Am nächsten Morgen schliefen wir gemütlich aus und bereiteten dann ein super leckeres Frühstück in unserem Innenhof zu. Wir Mädels hatten Lust einfach noch einmal einen Tag nichts zu tun, die Sonne zu genießen, zu lesen und durch den Ort zu bummeln, wo wir uns leckeres Eis, Crepes und Brownies gönnten. IMG_2964 Stefan und Jonas fuhren zum Sandboarden in die Wüste und hatten auch einen riesen Spaß. Dort trafen sie übrigens auch unsere Iren aus der Uyuni Tour wieder. Nach dem Sandboarden konnten die beiden den Sonnenuntergang auf einer Düne mit einem Pisco Sour genießen und als sie zurückkamen hatten wir schon Abendessen gekocht. Nach dem Essen ging es nämlich schon los zum nächsten Highlight, dem Sterneobservatorium. Die Atacamawüste zählt weltweit zu den besten Plätzen um Sterne zu sehen, da die Luft hier sehr trocken ist und weit und breit keine großen Städte sind. Ein Franzose hat hier seine eigene Geschäftsidee entwickelt und sich neun große Teleskope in den Garten gestellt. Nun führt er Abends Touristen in den Sternenhimmel ein. Alain ist ein Original und wir hatten dermaßen viel Spaß auf seiner rund 3-stündigen Tour. Erst saßen wir im Vorraum seines Hauses im Kreis mit Decken, in der Mitte nur eine kleine Kerze und in der Decke ein rundes Loch, durch das man den Himmel sehen konnte. Hier erzählte uns Alain schon mal einiges Grundsätzliche über das Weltall, das ganze mit so viel Witz verpackt, dass wir uns echt die Bäuche halten mussten. Alain war ein echter Entertainer. Danach gingen wir nach draußen und er zeigte uns einige Sternbilder und wichtige Sterne im Südhimmel. Wie schon Jeff auf Galapagos benutze auch er einen unglaublichen Laserpointer, der unendlich weit zu leuchten schien. Da waren unsere Jungs natürlich wieder neidisch. Zum Abschluss durften wir durch die neun Teleskope noch verschiedene Himmelsphänomene beobachten. Galaxien, Zwillingssterne, Jupiter … und dann gab es heiße Schokolade für alle. Ein wirklich gelungener Abend.
P1060909Auch am nächsten Tag schliefen wir wieder aus und frühstückten gemütlich in der Sonne. Wir hatten uns entschlossen, heute reiten zu gehen. Birgit hat ein Pferd zu Hause und deshalb kein Problem, wir anderen waren noch etwas unsicher. Die Dame, die uns begleitete meinte, dass mein Pferd nichts gekostet hätte, weil es als unreitbar galt. Na prima! Außerdem konnte es den Wind nicht leiden und wir hatten viel Wind an dem Tag. Ach ja Stefans und Birgits Pferd konnte es auch nicht leiden, ich durfte den beiden also nicht zu nahe kommen. Während alle anderen Pferde wirklich schön waren, sah meines aus wie eine Kuh! Aber sonst war es ein liebes Pferd! ;-) 
Das Reiten machte auch echt Spaß. Vor allem weil die Landschaft so unglaublich schön war. Man kam sich vor wie in Marlboro County. Wir sind durch Flüsse geritten und über enge Pfade Berge hinauf. Nach 4 h hatten wir dann aber alle ganz schön Muskelkater. Am Abend gingen wir anlässlich unseres letzten Tags mit Jonas und Birgit in San Pedro nochmal richtig gut Essen und gönnten uns eine Grillplatte für 4 Personen. Mhhh war die lecker. Mir läuft schon wieder das Wasser im Mund zusammen, wenn ich davon erzähle. Das Fleisch und die Würste wurden uns samt Holzkohlegrill auf den Tisch gestellt.
Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen, da Jonas und Birgit nach Santiago de Chile weiterfuhren und wir über die Grenze nach Argentinien wollten. Es war echt eine schöne Zeit mit euch beiden. Wir freuen uns schon auf unser Alpenrevival nächstes Jahr ;-)

Montag, 18. Oktober 2010

Bolivien – Salar de Uyuni (28.09.10 – 01.10.10)

Endlich hatten wir mal wieder eine Nacht in einem richtigen Bett geschlafen, bzw. überhaupt geschlafen (was mich betrifft). Schon fühlten wir uns am nächsten Tag wieder bereit für neue Abenteuer. Eigentlich hatten wir vorgehabt 2 Nächte in La Paz zu bleiben aber wir kamen uns schon wieder so fit vor und voller Tatendrang, dass wir kurzerhand umplanten. Einen Tag früher zu gehen hatte auch den Vorteil, dass wir die 3 Tagestour durch die Salzwüste von Uyuni zusammen mit Birgit und Jonas machen konnten. Wir mussten nur noch eine Wäscherei finden, die unsere Wäsche innerhalb von ein paar Stunden fix und fertig gewaschen und getrocknet hatte, was überraschenderweise gar nicht so einfach war. Nachdem wir ausgecheckt hatten gingen wir zu viert ganz lecker Indisch essen und danach zur Post, da Jonas und Birgit ein Packet nach Deutschland schicken wollten. In der Post verbrachten wir dann den halben Nachmittag. Ihr könnt euch nicht vorstellen was es für ein Aufstand war, bis dieses Paket endlich seinen Weg nach Deutschland fand. Da Stefan und ich eh nichts besseres zu tun hatten betrachteten wir das ganze als Komödie und verfolgten interessiert das Schauspiel. Als das Paket zum Schluss von einer eigens dafür abgestellten Dame auch noch von Hand mit Nadel und Faden in einen Jutesack eingenäht wurde konnten wir echt nicht mehr.
Um 21 Uhr fuhr unser Nachtbus nach Uyuni. Es war ziemlich kalt. Morgens waren sogar die Fenster vereist. Noch dazu kam man sich vor wie in einer Wäscheschleuder, da es aufgrund der schlechten Straße so unglaublich stark ruckelte. Natürlich holte uns morgens in Uyuni die Agentur nicht wie versprochen vom Busbahnhof ab, wir mussten unseren Weg selbst finden. Da die Tour erst um halb 11 losging suchten wir uns einen netten Platz zum Frühstücken. Jonas und ich bestellten Spiegeleier mit Speck und bekamen doch tatsächlich jeder 5!!! Eier! Dafür bekam ich keinen Orangensaft, der zwar extra auf der Karte stand, aber nur an Stefan und Birgit serviert wurde, da die ein Frühstückspaket bestellt hatten. (Als Erklärung hat der Kellner nur gemeint, dass die Maschine kaputt wäre. Häh????) Um 9 Uhr öffnete die Zollstation und wir bekamen ganz einfach und problemlos unsere Ausreisestempel aus Bolivien auf in drei Tagen datiert in den Pass gedrückt.
P1010878 Mit von der Partie in den nächsten 3 Tage sollte noch ein irisches Pärchen sein, mit denen wir uns auch auf Anhieb gut verstanden. Die Abfahrt zog sich etwas in die Länge und der Fahrer brachte doch tatsächlich seine kleine Tochter mit, die für uns kochen sollte. Wir waren davon nicht begeistert, da das Mädchen besser eine Schule besuchen hätte sollen aber vielleicht waren ja Ferien. Auf jeden Fall schien die Kleine zum ersten Mal dabei zu sein. Unser erster Stopp war bei einem alten Lokomotivfriedhof, mitten in der Wüste. Wir waren richtig erschüttert, wieviel Müll (sprich Plastiktüten) in der Wüste herumlagen. Was für ein Anblick, Plastiktüten soweit das Auge reicht. Dafür bezahlen wir Touristen also Geld. :-(
IMG_0186 Weiter ging es zur eigentlichen Attraktion: Salar de Uyuni, mit mehr als 10.000 km² der größte Salzsee der Welt. Die Salzmenge des Salar de Uyuni wird auf ungefähr 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut und in die Städte transportiert. Inmitten dieses riesigen nichts aus Salz zu stehen war schon unglaublich. Alles weiß bis an den Horizont, man musste eine Sonnenbrille tragen, denn es war viel zu Hell fürs bloße Auge. Wir hatten einen riesen Spaß beim Fotografieren und machten einige lustige Bilder. Nachmittags besuchten wir noch die Kakteeninsel, Incahuasi, die für ihre vielen bis ca. 20 m hohen und teilweise mehr als 1.200 Jahre alten Säulenkakteen bekannt ist. Wir übernachteten am Rand des Salzsees in einem Hotel, das ganz aus Salz gebaut war. Wände aus Salz, Tische und Stühle und sogar die Betten aus Salz. Wir werden wohl nie das Gesicht unseres Fahrers vergessen, als Jonas beim Abendessen um etwas Salz bat. ;-)
Am nächsten Tag ging die Fahrt im Jeep weiter. Während der drei Tage hatten wir eine beträchtliche Strecke zurückzulegen und verbrachten deshalb die meiste Zeit im Auto. Nach den vielen Wandertagen hatten wir uns darauf echt gefreut aber jetzt freuten wir uns schon wieder über jede Möglichkeit der Bewegung. Wir bekamen wunderschöne farbige Lagunen zu sehen, teilweise mit 100erten von Flamingos darin. Ein einzigartiges Bild, das man so wohl nirgends auf der Welt mehr erleben kann.
In dieser Nacht schliefen wir zu 6. in einem Zimmer. Es wurde noch kälter als am Vortag. Abends saßen wir mit einer anderen Gruppe zusammen am Ofen und tauschten Geschichten aus. Da wir wussten, dass es am nächsten Morgen sehr früh rausgehen sollte legten wir uns irgendwann pflichtbewusst ins Bett. Wenn wir gewusst hätten, dass unser Fahrer dies keinesfalls tat sondern im Gegenteil munter dem Alkohol frönte hätten wir das lieber auch gelassen. Morgens um 4 Uhr standen wir alle auf und packten unsere Sachen und als wir um halb 5 mit Sack und Pack am Auto standen, war weit und breit kein Fahrer zu sehen. Nach ein paar Minuten kam er aus seinem Zimmer getorkelt und signalisierte uns, dass es bald los ginge. So fuhren wir also kurze Zeit später mit einem stockbetrunkenen Fahrer durch die nächtliche Wüste. Die Stimmung war am Boden. Viel Freude an den Geysiren hatten wir darum nicht. Außerdem war es bitterkalt.
P1060833 Als wir endlich bei den heißen Quellen ankamen und aus dem Auto aussteigen durften waren wir alle erleichtert. Es kostete reichlich Überwindung, sich in der Kälte in die Badeklamotten zu werfen, war man dann aber im Pool mit dem schönen warmen Wasser, so war die Entschädigung groß. Während außenherum die Wasserpfützen gefroren waren, genossen wir die Wärme sichtlich. Nach dem Bad und einem Frühstück mussten wir jedoch wieder zu unserem Fahrer ins Auto steigen. Als wir mitten auf dem Weg einen Platten hatten und er den Reifen wechseln musste schien er kurzzeitig wieder etwas fitter, doch dies hielt nicht lange an. Wir mussten ihn tatsächlich mehrere Male während des Fahrens anstupsen, da ihm die Augen zufielen. Wie wir später hörten sind betrunkene Fahrer auf den Touren in Uyuni nicht unüblich. Wir waren auf jeden Fall froh, dass wir ihn loshatten als wir an der Grenze zu Chile ankamen.